Schwerer Gang

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Man schiebt Dinge vor sich her. Man schiebt auch Gedanken vor sich her – von sich weg. Erinnerungen sind schöner. Eigentlich sollte morgen nur eine Fahrt nach Dortmund anstehen. Früh hin. Freunde treffen, Bier, Bratwurst und Borussia. Erwähnte ich Bier?

Nun wird es zeitlich ein wenig anders laufen. Vom Hauptbahnhof aus geht es in den Norden von Dortmund. „Da, wo ich wech bin“. Wo ich groß wurde. Wo ich alles kenne. Dort wohnt auch die Patentante nebst Onkel – ebenfalls Menschen, die immer schon im Dortmunder Norden sind. Beide um 80. Menschen, die nie jammerten, wenn es ihnen schlecht ging. Menschen, mit denen ich groß wurde.

Tja, ich wohne etwas weiter weg. Man sieht sich nicht häufig, wohl aber bei jedem Dortmund-Besuch. Sie waren bei der Taufe von Max dabei, machten den großen Ritt noch einmal mit. Man telefoniert, schickt Fotos von Max. Beiden geht es zunehmend schlechter, wie schlecht, das werde ich morgen sehen.

Ich hasse den Gedanken daran, irgendwo hingehen zu müssen, weil man nicht weiss, was einen erwartet – oder wie oft man diesen Weg noch gehen wird. Logo – es kann jeden treffen, jeden Alters – täglich, immer. Dennoch große Scheiße, die mich bedrückt. Ich bin nicht der Typ für gewisse Dinge, Traurigkeit nimmt zu schnell Platz bei mir. Meine Oma ist fast 20 Jahre tot – und ich konnte erst einmal zum Grab nach Dortmund – ganz einfach, weil es mich noch immer umhaut. Hard to explain.

Daumen drücken, dass beide wieder ordentlich fit werden und noch flotte Jahre haben. Zu wünschen wäre es ihnen.

Bildquelle: Der Weg ist das Ziel von mkorsakov auf Flickr unter CC BY-NC-SA 2.0

3 Kommentare

  1. Das Problem ist, wenn man diesen Gang nicht geht und es der Letzte gewesen wäre. Es ist nicht dir oder ihnen nicht zu wünschen, aber ich kann dir aus Erfahrung sagen: Den Vorwurf wirst Du dir immer machen.

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  2. Ich kenne das Gefühl. Habe meinen Bruder vor ein paar Jahren verloren und gehe auch selten zum Grab, obwohl es nicht weit weg ist. Für mich immer noch schwer.

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  3. Mein Weg nach Dortmund wird auch jedes mal schwerer. Es ist kaum zu verstehen warum Menschen an ihrer eigenen Situation starr verharren obwohl von allen Seiten hilfe angeboten wird. Meine Eltern sind noch einmal gut 10 Jahre älter und wohnen dort im Dortmunder Norden schon über 50 Jahre in ihrer Wohnung. Nur ist es traurig zu sehen wie einsam die beiden werden, Den Kleingarten mussten sie schon vor Jahren aufgeben, ihre Freunde werden immer weniger das einzige Highlight ist der Pflegedienst und die Anrufe der Kinder deren Inhalte seit Jahren dem selben Ritualen unterworfen sind.
    Demenz ist ein A….

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