Irgendwas ist ja immer

Seit Jahren schleppe ich einen Rucksack mit mir herum. Nein, nicht das Übergewicht. Das auch. Da ist momentan echt ein Stillstand zu beklagen, an dem ich nicht unschuldig bin. Aber was soll’s, ich kann ja jederzeit den Ball wieder aufnehmen und weiter machen. Werde ich auch. Doch die letzten Wochen, vielleicht sogar Monate waren irgendwie nicht einfach.

Das Netz machte mich irgendwie krank. Ich verordnete mir selber jüngst etwas Abstand. Weniger Facebook, weniger Gequatsche auf Twitter und Co. Ich beschrieb es auf Facebook so: Unwissen kann ein Segen sein. Unwissen vor dem, was passiert und was geschrieben wird. Deutschland und die Welt steht vor einer großen Herausforderung. Millionen Flüchtlinge suchen Unterschlupf, Menschen, denen geholfen werden muss.

Und dann dieser tägliche Hass, den ich lesen musste. Als Mensch, der viele Kontakte überall hat, bin ich gerne auf Facebook. So bekomme ich mit, was bei wem passiert. Leider bekomme ich auch mit, was andere tun. Ich habe in den letzten Wochen und Monaten noch nie so viel Hass gelesen. Hass, den ich zu hassen begann. Klingt komisch, ist aber so.

Der Hass der anderen, ihre Sicht der Dinge – all das machte mich wütend. Hass, der mich beschäftigte, der mich lähmte. In meinem Tun, in meinem Denken – und er stahl mir das Wertvollste, was ich habe: Zeit. Ich musste die Notbremse ziehen und nahm mir vor, Facebook großräumig zu umfahren und in keine Diskussionen mehr einzutauchen. Klappt bis jetzt ganz gut, ich vermisse nichts und meine seltenen Absonderungen werden offensichtlich auch nicht vermisst.

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Die Welt dreht sich weiter ohne Katzenbilder, Musikvideos und lustigen GIFs. Der Hass, der geht sicher weiter – und all jene endlosen Diskussionen. Mir egal, ich bin für mein eigenes Seelenheil erst einmal weniger vertreten. Gesundheitlich ist alles so lala. Ich habe die immer verlacht, die meinten, dass Kinder alles an Krankheiten anschleppen. Aber: so ist es. Seit Max da ist, habe ich schon x Mal für 1-2 Tage flachgelegen, nur noch dämmerig vor mich dahinvegetiert. Nervt, weil man zu nichts kommt und das Mehr an Arbeit anderen aufbürden muss.

Doch davon ab: ich habe auch das loslassen gelernt. Einfach mal nichts tun. Wer dauerhaft im Internet ist, der muss das Faulenzen neu erlernen. Langeweile kenne ich aber auch so nie. Irgendwas ist ja immer. Nur halt mehr offline bei mir, sofern machbar. Offline is the real shit. Ich beginne mehr zu sehen, mehr zu atmen, mehr zu genießen. Extrem wichtig für mich, so umschiffe ich schwarze Löcher.

Zurück zum Rucksack. Es gibt kaum Fotos, auf denen ich lächle. Das liegt an der Tatsache, dass ich bei manchen Zähnen keine Zahnanlagen im Kiefer hatte. Heißt: Nach dem Milchzahn kommt nichts nach. Glück im Unglück: Es gibt keine Weisheitszähne und meine Lücken waren nicht direkt sichtbar. Aber es wurde halt nicht besser, sondern eher schlechter. Ich musste also was machen lassen.

Viel war nicht mehr zu retten sodass die Backenzähne und die obere Kauleiste zum Teil erhalten werden konnte, der Rest wird teils gebrückt, teils mit Implantaten versehen. Eine Sache, die ich schon ewig gemacht haben wollte. Es sah ja nicht nur kacke aus, es behinderte mich teilweise und was schlimmer war: es bedrückte mich.

Das Ganze ist schweineteuer, dafür kann man ein Auto kaufen. Bei mir greift keine Krankenkasse oder so, komplett Selbstzahler. Aber ich wusste ja schon vor zig Jahren, dass das auf mich zukommt. Normale Zahnarztbesuche würden mich fertigmachen, bedeutete, ich lag neulich vier Stunden in Vollnarkose rum und ließ mir die Zähne schon einmal teilweise machen. Momentan ist der finale Stand noch nicht drin, wohl aber provisorisch alles. Sieht jetzt schon um Welten besser aus. Ich habe ein Foto von Max und mir – und ich kann endlich richtig lachen. Noch muss ich ein paar Mal zum Zahnarzt und es dauert noch, bis alles final ist – doch der größte Schritt ist gemacht, ein großes ToDo auf meiner Liste abgehakt. Eines, was schon lange abgehakt sein sollte.

Doch es stehen noch viele Dinge an, die ich für mich ins Reine gebracht haben will. Man wird ja nicht jünger. 39 in 10 Tagen….

3 Kommentare

  1. Hallo Caschy,
    ich kann Deine Gedanken vollkommen nachvollziehen.
    Ich habe jetzt sogar beschlossen, bei Facebook ganz auszusteigen, weil ich gemerkt habe – und ich kam mir schon als eine Art „Klick-Junkie“ vor – dass ich immer einen Link nach dem anderen angeklickt habe und die Zeit einfach so wegfloss.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nichts verpassen werde. Personen, die mir viel wert sind, werden mich auch ohne Facebook immer erreichen können.

    Zum anderen Thema:
    Gerade der „Bereich um die 40 herum“ gibt häufig zum Nachdenken Anlass.
    Seh‘ das ganze als Chance und denke immer daran, dass die ersten drei Jahre im Leben eines Kindes dieses so prägen wie sonst kein anderer Zeitraum in seinem Leben.
    Nimm Dir einfach die Zeit dazu!
    Kinderkrankheiten gehören einfach dazu und ich kann Dir eines versprechen: Wenn Max in Kindergarten oder Schule ist, werden sie noch viel häufiger auftreten.
    Und Läuse kommen umsonst oben drauf. 😉

    Liebe Grüße von Arnd,
    (der schon im einem Alter ist, wo langsam ein Enkelkind kommen könnte) 😉

    PS: Ein ganz ganz kleiner Kritikpunkt: Du hast scheinbar – wie Du leider zu selten schreibst – eine ganz bezaubernde und taffe Ehefrau. Schreib das doch mal öfter – und nicht nur zwischen den Zeilen. Es sei denn, sie möchte das nicht.
    Ich finde, eine solche Wertschätzung hätte sie einfach verdient.
    Und keine Eifersucht, ich bin leider zu alt für sie. 😉

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  2. So schlimm ist der Hass nicht,das sind nur ein paar Prozent die das ganze so groß aussehen lassen. Es sind auch nur ein paar Prozent Flüchtlinge die sich daneben benehmen. Die Guten sind die große Mehrheit, auf beiden Seiten.

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