Frag häufiger „Wie geht es dir?“

Es ist schon ein komisches Gefühl, vom Tod eines Menschen zu erfahren. Ich kannte sie, seit ich 14 war. Wir waren in einer Jugendclique, die viel miteinander unternahm, die sich fast täglich traf. Der Club derer, der Zuhause eh nie vermisst wurden. Die komischen Typen, die Außenseiter. Das Gemeinsame machte uns stark, verband uns – ließ uns das Beste aus der Situation machen. Wie das in der Jugend oftmals so ist, verlor man sich irgendwann aus den Augen. Ich zog weg, glaube heute, alles richtig gemacht zu haben. Das Verlieren macht nichts, das Leben bietet einfach viel, Menschen kommen, Menschen gehen. Irgendwann 2013  mal die Freundschaftsanfrage bei Facebook.

Über 20 Jahre keine Info, dann der Versuch, den Werdegang anhand einer Timeline nachzuvollziehen. Ich glaube, ich hatte es leichter als sie in den Jahren. Auf einigen Fotos sah ich, dass sie wohl mal sehr krank war. Krebs. Wir sprachen nie über Befindlichkeiten. Sie fragte mich ab und zu in Computerdingen, da sie wohl mitbekommen hatte, wie meine berufliche Laufbahn so vonstatten ging. Als ich mit meiner Pillepalle im Krankenhaus lag, fragte sie mich noch Mitte August, wie es mir ginge. Sie fragte während einer Zeit, in der ich im Krankenhaus müde dahinvegetierte.

fb

Ich sagte, dass ich melden würde, wenn ich wieder aus dem Krankenhaus bin – meinen Status hatte ich ja schließlich auch öffentlich gepostet. Sechs Wochen ist das jetzt her. Sie erzählte mir nicht, wie es ihr ging. Dass der Krebs wieder da war. Gestern die Nachricht von einem gemeinsamen Freund aus Jugendtagen, dass sie gestorben sei. Mit 36. Der Krebs kam zurück und nahm ein junges Leben. Sie hinterlässt eine Tochter von 13 Jahren. Und obwohl man 20 Jahre eigentlich keine privaten Wörter getauscht hatte, sondern nur oberflächlich mal bei Facebook Kontakt hatte, macht es mich traurig. Nicht nur, weil ich Mitte August nicht mehr geantwortet habe, sondern generell.

3 Kommentare

  1. Hallo Caschy,

    Dein trauriger und selbstkritischer Artikel erinnert mich an alte Kontakte aus meiner Jugendzeit. Ich bin davon überzeugt, dass es mich bei einigen sehr traurig machen würde, wenn ich von ihrem Tod erfahren würde.

    Ich finde es sehr toll – lass es mich bei dieser Gelegenheit sagen -, dass Du trotz Deiner Techniknähe und -kompetenz auch noch Dich und Deine Mitmenschen mit Deinen/ihren Gefühlen und persönlichen Lebensumständen wahrnimmst und darüber öffentlich schreibst.

    Lieben Gruß aus Solingen
    von Gerhard

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  2. Sowas ist schade, gerade mit Personen, mit denen man viel erlebt hat – was häufig in der Kindheit der Fall ist, wo es noch nicht den generellen Alltag gab. Mein Beileid.

    So wie ich es bisher immer erlebt habe, müssen Menschen diese Erfahrung erst selbst machen, bevor sie sich (evtl.) ändern – denn letzten Endes ist jeder selbst für seine sozialen Kontakte verantwortlich und darf sich am Ende nicht beschweren oder gar die Schuld auf andere schieben, wenn unerwartete, einschneidende Änderungen eintreten. Das ist aber leider häufig der Fall.

    Als ich deinen Titel laß, dachte ich an Australien: Hier ist „How are you?“ mehr eine Floskel, die nach einem „G’day“ oder „Hello“ angefügt wird. Man wird schief angeguckt, wenn man darauf eingeht und die Fragenden sind dann häufig überrascht. Dahin darf es natürlich nicht ausarten. Am wichtigsten sind persönliche Treffen, und wenn sie nur 1x im Jahr sind, das macht schon extrem viel aus, solange man sich regelmäßig trifft.

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  3. Sehr traurig, sowas zu erfahren. Ich verlor vor einigen Monaten einen Freund aus der Schule, wir waren beim selben Lehrer und waren sehr gute Kumpels. 3 Jahre. Danach nur noch ab und zu Kontakt aber dennoch ein gutes Verhältnis. Vor einigen Monaten hat ihn leider Krebs eingeholt… vor 2 Jahren war eigentlich die Rede vom „bekämpft“ aber nun ja, leider ist der gute Mann nicht mehr unter uns. Er war übrigens ein Gesicht in der Boxer-Szene (Thai), Ilir Beqiri.

    R.I.P.

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