Empathie

Schräg. Ich bin seit vielen, vielen Jahren im Netz unterwegs und war auch früher schon jemand, der die Nähe zu Nachrichten suchte. Ich bekomme immer sehr schnell mit, wenn etwas passiert. Wobei: heutzutage bekommt wirklich jeder mit, wenn etwas passiert. Da stürzt ein Flugzeug ab und die Nachricht macht unzählige Male die Runde.

Bist du bei Twitter, Facebook und Co aktiv, dann kann es sein, dass du gefühlt 100x in einer Stunde die gleichen Breaking News liest. Mich interessierte heute im konkreten Fall nicht das Wann, Wo und Wieso – sondern es sind einfach Menschen tot. Menschen haben ihre Zukunft verloren. Nicht nur die, die zu Tode kamen, sondern auch die, die mit ihnen befreundet oder verwandt sind.

Ich tat es mir dieses mal an, Facebook-Kommentare zu lesen. Furchtbar, furchtbar, furchtbar. So viel Müll und hohle Scheiße schmerzt schon sehr. Aber so ist das halt – jeder hat zu medialen Ereignissen – und das ist so ein Absturz nun mal – seine eigene Meinung.

Facebook ist ein Ort, der Menschen aller Schichten vereint. Im Offline-Leben bist du Hohlbratzen ausgewichen – bei Facebook laufen sie dir dauernd über den Weg. Da muss die eigene Filterbubble feinjustiert werden.

Menschen sterben. Täglich. Auf der ganzen Welt. Auf oftmals tragische Weise. Wir nehmen es nicht so wahr, weil es medial nicht so stark beleuchtet wird. Es gibt keine Schicksale, die schwerer wiegen als andere. Kein Unglück ist schlimmer schlimm, als ein anderes. Jedes ist für den Betroffenen auf die identische Art schlimm.

Der aktuell vorliegende Fall ruft Anteilnahme hervor, auch durch die mediale Berichterstattung. Doch muss man wirklich jeden Quadratzentimeter der Unfallstelle zeigen? Verwandte und Freunde – die zwar verpixelt sind – aber dennoch klar und erkennbar vor den Kameras innerlich zerbrechen?

Mich widert dieser Arschloch-Journalismus an. Ein Flugzeug stürzt ab. Menschen sterben. Ich sehe die Bilder, lese davon, dass die Börse auf das Unglück reagiert. Zum Kotzen. Aber: die Medien machen es, weil es einen Markt gibt. Der mag dich nicht ansprechen – oder mich nicht. Aber es gibt Menschen, die wollen so etwas sehen. Sensationsgeilheit. Ich brauche es zumindest nicht. Mich bewegte es heute auch so – ohne Bilder. Vielleicht fehlt manchen Menschen einfach ein bisschen Empathie.

6 Kommentare

  1. Ganz meine Meinung, ich habe bis jetzt ein Video gesehen und es ansonsten im Radio gehört, dort sind sie wenigstens seriös mit dem Thema umgegangen. Den Rest versuche ich einfach weitestgehend zu ignorieren, anders geht es heutzutage halt leider nicht mehr… Hab zwar nach deinem FB-Post heute mal etwas gelesen, aber gleich wieder aufgehört, schlimm… Aber gut was hilft es hier zu meckern, ändern wird sich dadurch auch nichts, es gibt sie nun mal und es gab sie schon immer die Sensationslust, nur konnte man sioch früher vlt. etwas leichter davon distanzieren.

    Antworten

  2. So wahr. Ein bisschen mehr Empathie würde uns Menschen gut tun.
    Auf einer Newsseite, ich habe heute morgen mehrere gelesen, weiß leider nicht mehr welche das war, hatte jemand einen Kommentar geschrieben, den die Redaktion ziemlich schnell wegen Pietätlosigkeit gelöscht hatte. Wie kann einem als erstes ein geschmackloser Kommentar einfallen? Wie krank muss man im Kopf sein?

    Antworten

  3. Ich bin normalerweise jemand, der solche Sachen trotz Dauer online kaum mitbekommen.
    Normalerweise finde ich auf g+ ne kurze Erwähnung des Ereignisses, Frage mich was los ist, fange aber nicht an zu recherchieren oder ich schnappen etwas auf, weil sich meine Arbeitskollegen darüber unterhalten.

    Gestern meldete mir allerdings twitter, dass 2 Leute denen ich Folge einen Beitrag von flugradar geteilt hätten. Das war vllt so gegen 11.
    Dadurch hab ich gestern dann doch sehr viel mitbekommen.

    Ich selbst war bedrückt und traurig. Fotos der Absturzstelle brauche ich auch nicht. Recht früh gingen wohl aber gefälschte Fotos und ein Video rum. Diese hab ich persönlich zum Glück nicht gesehen sondern nur 1-2 Kommentare der Empörung wiesen mich auf ihre Existenz hin.

    Auf twitter fand ich später dann viele twitts die Beileid bekundeten. Auch wenn twitter nur 140 Zeichen erlaubt. Einige schrieben gefühlte Romane.
    Selbst diese Kommentare sind mir in solchen Situationen zu wieder. Es wirkt auf mich gerne mal wie ein Wettkampf, wer am besten sein Beileid bekunden kann oder schlimmer noch am stärksten mit fühlt.

    Das schreiben eigener kommentare dazu hab ich mir daher gestern einfach verkniffen.

    Ich persönlich würde gerne wissen was genau passiert ist, also die Unfallursache aber Bilder vom Frack, den opfern oder den angehörigen brauche ich dazu nicht. Bilder wie die von flugradar, welche die technischen Aspekte zeigen, also den Flugverlauf, finde ich da deutlich interessanter und wichtiger.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.