Das Leben ändert dich – oder?

In drei Tagen hat Max seinen ersten Geburtstag. Es ist schon komisch zu beobachten. Ich werde nächsten Monat 38 und bin jemand, der in bestimmten Sachen sicherlich in den 90ern hängengeblieben ist. Jugendliche Unbeschwertheit, dümmlicher Humor und der Eurodance.

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Kinder waren nie etwas, an das ich dachte. Ganz im Gegenteil. Mein Leben funktionierte so ganz gut und ich war immer genervt von plärrenden Kindern. Der Horror. Supermarktschlange und am besten quengelnde Blagen dabei. Ich konnte nie etwas mit Kindern anfangen, obwohl ich diese anscheinend magisch anzog – warum dies so war, weiss ich nicht.

Tja – und nun bin ich selber Papa. Immer noch komisch mir das vorzustellen, aber es war und ist anders, als ich es bei vielen anderen beobachtete. Viele Eltern geben ihr Leben an der Tür ab. Sie existieren nur für ihr Kind, nicht mehr für sich, nicht mehr für den Partner. Absolut furchtbar, solche Menschen zu erleben. Ich frage mich dann mal, was die machen, wenn das Kind flügge wird. Da bricht bei denen doch eine Welt zusammen.

Bei uns ist das anders. Wir integrieren Max überall, haben aber noch unser eigenes Leben und richten nicht alles auf unseren kleinen Mann aus. Ich glaube, dass wir da im vergangenen Jahr einen guten Mix gefunden haben. Meine Frau hält mir viel den Rücken frei, ist aber keine nervige Übermutti, sondern noch ganz die Frau, die ich seit über 16 Jahren kenne.

Tja – und ich? Habe ich mich im vergangenen Jahr verändert? Sicherlich nicht in den Dingen, die mich vorher „ausmachten“, ich bin nach eigenem Empfinden noch der Alte. Ich habe nichts im Leben verloren, lediglich gewonnen. Ich habe durch Max andere Facetten im Leben kennengelernt. Das ist nicht immer positiv, jeder Elternteil kann sicherlich die Ängste nachvollziehen, wenn das Kind sich mal verschluckt und keine Luft bekommt – oder beim Sitzen unglücklich umkippt. Kurzum – in diesen Dingen bin ich besorgt, glucke aber nicht um Max herum, um ihm ein Polster zu geben. Man macht sich einfach mehr Sorgen. Man hofft, dass es dem Kleinen, der sich noch nicht ganz ausdrücken kann, wirklich gut geht.

Schlaf ist auch so eine Sache. Seit meiner Vegas-Tour schlafe ich nicht mehr so richtig. Bislang war ich so, dass ich einfach weiterpennen konnte, wenn Max gegen 4 oder 5 wach wurde und krähte. Er bekam dann seine Flasche bei uns und ich ratzte weiter. Nun ist es so, dass ich dann hellwach bin. Ich wälze mich herum, mache mir Gedanken um alles und nichts – und kann dann eben nicht mehr einschlafen.

Ich stehe dann auf und arbeite schon einmal vor. Geht bei mir ja zum Glück sehr flexibel. Meist sind die Morgenstunden angenehm ruhig, das Internet in Sachen Interaktion und Geschehnis noch langsam und nicht überfordernd.

Ob ich Max böse bin, dass er mir ab und an den Schlaf raubt? Auf keinen Fall. Er bezahlt mich täglich mit seiner Liebe und seinem Lächeln, das macht alles wieder wett. Auch eine Sache, die ich früher nie für möglich gehalten habe. Diese Art der Liebe.

7 Kommentare

  1. Ich kann nichts zum Thema Kind oder wie es einen verändert sagen, allerdings finde ich es durchaus positiv wenn jugendliche Unbeschwertheit und dümmlichen Humor behält. Nicht alles im Leben muss aus Ernst bestehen.

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  2. Ich bin jetzt 37 und werde im Juni Vater. Der erste Absatz passt total und ich werde mich mal überraschen lassen was da alles auf mich zu kommt. 😉

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  3. Hallo Carsten,

    ich bin 29, bin selbst kinderlos aber wirke auf Kinder auch magisch. Meine Partnerin hat ein Kind (3 jährige Tochter) und die beschert einem auch wirklich tolle Momente. Ist man mal ein wenig kränklich kommt sie an und gibt dir ein dickes drückerchen und kuschelt sich mit unter die Decke und sagt. Kuscheln macht gesund ^^

    Manche Sachen kommen eben einfach unverhofft aber gerade das macht es ja aus.

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  4. Schön geschrieben! Ich konnte mir eigene Kinder auch nie vorstellen. Jetzt bin ich Vater von zwei tollen Kindern und kann mir schon nicht mehr vorstellen, wie es damals noch ohne sie war. Was hab ich mit der ganzen Zeit damals gemacht?!

    Natürlich gehen einem die lieben Kleinen auch häufig mal auf die Nerven, dafür wird man aber auch reichlich durch schöne und lustige Momente entlohnt. Ich freue mich immer sehr wenn meine kleine Tochter (1,5 Jahre) Wörter für Tiere, Gegenstände und Menschen erfindet. Wenn aus Giraffe nur „Affe“ wird oder aus Elefant nur „Lant“ oder aus Trinken nur „Tinka“ dann muss ich immer grinsen. Das ist einfach süß und es ist toll, dass man fast alles dem kleinen Kind selbst beigebracht hat. Genauso muss ich lachen, wenn mein Sohn (fast 5) zu mir kommt und sagt: „Papa, wir müssen bald wieder ein neues Haus kaufen, unser geht kaputt!“, nur weil er eine kleine Macke an einer Fliese festgestellt hat 😀

    Eigene Kinder sind toll und man sollte so gut wie geht auch Zeit mit ihnen verbringen. Glaubt mir, die Zeit rennt mit Kindern nur so vorbei und schon wollen sie nicht mehr so gerne kuscheln…

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  5. Eben erst gelesen.
    Tja, Kinder lassen einen schon manchmal über’s eigene Leben nachdenken.

    Ich bin BJ 1980 und 2001 sehr früh (ungewollt) Vater geworden. War natürlich erstmal ein Schock, da ich mich selbst absolut nicht bereit dafür hielt.
    Aber die Kindesmutter (schlimmes Wort) und ich haben das bis zu unserer Trennung 2 Jahre später ganz gut gemeistert.
    Seitdem sehe ich den Kurzen, der mittlerweile 14 wird, alle 2 Wochen über’s WE. Viel zu selten und viel zu kurz, aber naja. Isso.
    Umso mehr freue ich mich, dass er ganz nach mir kommt und wir 90% der Interessen (ja, zocken und Interwebz) gemeinsam haben.

    Ob mich die letzten 14 Jahre verändert haben?
    Jaein. Im Grunde bin ich der gleiche geblieben. Allerdings hab ich ein wenig mehr Verantwortungsbewusstsein ausgebildet. Das kann aber auch einfach am Alter liegen 😀

    Anyway! Kinder sind toll und ich freu mich, dass es bei meinem Kurzen nun bald richtig spannend wird. So Freundin, Party und Co 😀

    Mein Rat an Dich:
    genieß jeden Moment mit Mini-K und Deiner Liebsten. Ich hätte mir im Nachhinein mehr Zeit mit dem kleinen Kurzen gewünscht.

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  6. Ich bin 40 und seit 3 Jahren Vater einer wundervollen Tochter, die sich großartig entwickelt – und verdammt geht das schnell. Vor 3 Wochen mußte ich Ihr noch helfen die Schuhe an zu ziehen, jetzt macht sie es allein.

    Klar, die eigenen Hobbys stehen hinten an. Vorbei sind die Zeiten, an denen man mal locker das WoEnde World Of Warcraft durch zockt. Vorbei sind die Zeiten, an denen man jedes WoEnde Abends raus geht und einen netten Pegel auf baut; statt dessen liest man in der Freizeit mit der Kurzen Sven der Eisbär, Grüffelo, Lieselotte oder diese großartigen „Lernbücher“ für 3 jährige: „Zähne putzen, Pippi machen“ oder „am Meer“ (von Junior, großartig!). Ganz ehrlich: vor 3 Jahren hätte ich 1) nicht gedacht, dass ich so gut vorlesen kann und 2) nicht gedacht, dass mir das Spaß macht.
    Als Carlotta geboren wurde dachte ich: „Puhh, geschafft“ – haha von wegen. Da ging es erst los! Die letzten drei Jahre waren spannend, aufregend, stressig schön. Allein der Nervenkitzel „bekomme ich jetzt einen u3 Platz oder nicht“ kann nur jemand nachvollziehen der auch Kinder hat.

    Insgesamt kommt man sich vor wie in einem klassischen PC Rollenspiel. Seit das Kind da ist, ist man einige Level aufgestiegen. Man hat Erfahrung gewonnen, Abenteuer durchlebt und es geht auf und ab.
    Ihr könnt Euch gar nicht vor stellen, wie sehr ich mich darauf freue mit meinem schlechten Schul-Mathe und meinem recht guten Englisch zu glänzen 🙂

    Caschy: halt uns mal auf dem Laufenden!

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  7. Ich bin mit 43 Vater geworden. Geplant war das nicht. Das erste Mal. Ende dieses Monat wird er 2. Etwas besseres hätte mir nicht passieren können. Ich hatte das erste Mal des Gefühl endlich eine “Bestimmung” gefunden zu haben. Unser Leben hat sich natürlich total verändert. Aber es ist einfach wunderschön. Von Anfang an ging er überall mit hin. Mit 8 Wochen war er auf der Fedcon, mit nichtmal einem halben Jahr dann auf der Celebration Europe. Kind kann nicht mit ? Dann will ich da gar nicht mehr hin.

    Wir haben Glück, Felix ist echt unkompliziert. Zum Glück hat er mit 6-8 Wochen schon durch geschlafen 🙂 Selbst ein stink normaler Lebensmitteleinkauf ist jetzt toll, weil er dabei ist.

    Der Vergleich mit dem PC Rollenspiel ist klasse, sehr treffend. Ja, die Schulzeit wird spannend. Schon alleine wegen der vielen Ferientage…

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